Dekanat Rheingau-Taunus

Angebote und Themen

Herzlich Willkommen! Entdecken Sie, welche Angebote des Dekanates Rheingau-Taunus zu Ihnen passen. Über das Kontaktformular sind wir offen für Ihre Anregungen.

AngeboteÜbersicht
Menümobile menu

Abschied Pröpstin Gabriele Scherle

Die engagierte Theologin mit dem großen Herzen geht

EKHN/OeserGabriele ScherleGabriele Scherle

Sie war für über ein Jahrzehnt die evangelische Spitzenrepräsentantin im Rhein-Main-Gebiet. Nun ist Pröpstin Gabriele Scherle offiziell verabschiedet worden. Sie hat sich "riskiert und eingemischt". Und sie sieht in einem bestimmten Bereich immer noch ganz viel "Luft mach oben".

Bildergalerie

Typisches Scherle-Lächeln bei der Verabschiedung durch Ulrike Scherf Verabschiedung von Pröpstin Scherle in der Heiliggeistkirche 2017 Propst Oliver Albrecht (3.v.r) tritt in einer veränderten Propstei die Nachfolge von Gabriele Scherle an
EKHN/RahnAbschied: Gabriele Scherle (r.) wird von Ulrike Scherf vom Dienst als Pröpstin "entpflichtet".Abschied: Gabriele Scherle (r.) wird von Ulrike Scherf vom Dienst als Pröpstin "entpflichtet".

Frankfurt a.M. / Darmstadt, 1. September 2017. Die langjährige Pröpstin für die Propstei Rhein-Main, Gabriele Scherle (65), ist am Freitagabend (1. September) mit einem Festgottesdienst offiziell in den Ruhestand verabschiedet worden. Seit 2006 war die im badischen Pforzheim geborene evangelische Theologin, ausgebildete Finanzbeamtin und Sozialarbeiterin die protestantische Spitzenrepräsentantin für rund 300.000 Evangelische in der Region. Vor sechs Jahren wurde Scherle von der Synode der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) mit großer Mehrheit in ihrem Amt bestätigt. Sie ist unter anderem auch Delegierte der hessen-nassauischen Kirche in der Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). Zudem hatte sie den Vorsitz im Kleinen Konvent inne, dem Leitungsgremium der Evangelischen Akademie Frankfurt.

Menschen erreichen

Bei der Verabschiedung bezeichnete es die Stellvertretende Kirchenpräsidentin der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau, Ulrike Scherf, als „roten Faden“ in der Arbeit der Pröpstin, dass sie den christlichen Glauben nicht als „Privatsache, die ins stille Kämmerlein gehört“, verstanden habe. Scherle habe ihn dagegen als Kraft gesehen, die Menschen dazu anhalte, „Schwache zu stärken und gegen Unrecht zu protestieren“, erklärte die Stellvertretende Kirchenpräsidentin. Die Pröpstin habe sich mit ihrer Person damit „riskiert, eingemischt und profiliert“. Als „engagierte Theologin mit einem offenen Herzen“ habe sie auch Menschen weit über die Kirche hinaus in der gesellschaftlichen Öffentlichkeit erreicht. Nach Worten Scherfs hat die Pröpstin zudem Frauen ermutigt, „in dieser Kirche zu arbeiten und auch Verantwortung zu übernehmen. Scherf: „Dass hier immer noch ‚Luft nach oben‘ ist, erfüllt sie bis heute mit Ungeduld“.

Berührt, beschwingt

Der Frankfurter katholische Stadtdekan Johannes zu Eltz dankte Scherle für eine öffentliche Theologie, „die berührt und beschwingt hat, weil sie Gott in der Gegenwart mit Anmut zur Geltung brachte“. Sie habe ihr Amt „hervorragend ausgeführt“, ergänzte er. Der Frankfurter Bürgermeister und Kirchendezernent Uwe Becker sagte, dass die Pröpstin „unermesslich viel“ für das Zusammenleben in der Stadt und in der Region Rhein-Main bewirkt habe. Er lobte zudem, dass sie die eigene Meinung auf einem klaren Fundament immer wieder deutlich kundgetan habe. Für die Kirchenregion sprach der Dekan des Dekanats Dreieich Reinhard Zincke und lobte Scherles Authentizität und  Verlässlichkeit aber auch ihre Leidenschaft und Spontaneität. Es sei bezeichnend gewesen, dass sie auch in schwierigen Situationen vor Ort immer auf Augenhöhe mit den Menschen geblieben sei. 

Gott loben

In ihrer Predigt im Verabschiedungsgottesdienst bezeichnete es Gabriele Scherle als wesentliche Aufgabe der Kirche „Gott zu loben.“ Daraus erwachse aber auch die Verantwortung, „dem biblischen Gott das Elend dieser Welt trotzig vorzuhalten“. Im „Lobe-Raum der Herrlichkeit soll Gott nicht eingelullt, sondern provoziert werden, seine Macht über den Tod und das Böse zu zeigen“, erklärte Scherle. Als Herausforderung bezeichnete sie auch eine oftmals gefühlte Gottesferne. Sie sei theologisch auch als Signal zu begreifen, dass Gott sein Antlitz angesichts des Zustands der Welt abgewandt habe. Es bleibe die Aufgabe, Gott dennoch weiter als „lebensmächtig“ zu verstehen und die Welt offen zu halten für das Vertrauen, dass er „sie verwandelt und heilt“, so die Pröpstin. Zuletzt trat Scherle dafür ein, die zunehmende Entkirchlichung in der Gesellschaft ernst zu nehmen, protestantische Grundorientierungen neu zur Sprache zu bringen und die aus dem christlichen Glauben erwachsene Freiheit deutlich zu markieren.

Propstei wächst

Mit dem Ruhestand von Pröpstin Scherle tritt ab Oktober auch eine Neuordnung der Propsteigebiete in Kraft. Dabei wird die bisherige Propstei Süd-Nassau mit der Propstei Rhein-Main in weiten Teilen zusammengeführt. Einige Dekanate gehören dabei künftig zur Propstei Starkenburg beziehungsweise Rheinhessen-Nassauer Land. Propst der neuen Propstei mit dem Namen Rhein-Main ist ab 1. Oktober der Propst der bisherigen Propstei Süd-Nassau, Oliver Albrecht. Insgesamt werden dann über 400.000 Evangelische in 228 Gemeinden zur Propstei gehören. Neuer Dienstsitz wird Wiesbaden sein. Die künftig fünf Propsteien im Kirchengebiet sind in etwa mit den Regierungsbezirken im politischen Bereich vergleichbar. Pröpste und Pröpstinnen sind unter anderem zuständig für die Begleitung der Gemeinden. Sie sind auch Vorgesetzte der Dekaninnen und Dekane. In ihrer Rolle, die mit einem regionalen Bischofsamt vergleichbar ist, haben sie zudem Sitz und Stimme in der Kirchenleitung der Gesamtkirche.

Zur Person Gabriele Scherle

Gabriele Scherle wurde im März 1952 in Pforzheim in eine bäuerliche Waldenser-Familie hinein geboren. Sie absolvierte nach ihrer Schulzeit eine Ausbildung für den mittleren Beamtendienst in der Finanzverwaltung ihrer Geburtsstadt. Anschließend arbeitete sie dort zwei Jahre lang als Steuerassistentin und qualifizierte sich für die Fachhochschulreife. Dann studierte sie zunächst an der Evangelischen Fachhochschule für Sozialwesen in Freiburg, anschließend an der Gesamthochschule in Siegen. Dort schloss sie als Diplomsozialarbeiterin ab. Von 1975 an arbeitete sie als Sozialarbeiterin zunächst im Psychiatrischen Krankenhaus Marburg, dann als pädagogische Mitarbeiterin bei der Aktionsgemeinschaft Dienst für den Frieden in Bonn. 1979 begann sie als Stipendiatin des Evangelischen Studienwerks Villigst ihr Theologiestudium in Bonn, später wechselte sie nach Berlin, Jerusalem, Bochum und Wuppertal, wo sie 1987 das 1. Theologische Examen ablegte. Ihr Lehrvikariat absolvierte sie in der Wiesbadener Bergkirchengemeinde. Für das anschließende Spezialvikariat ging sie an die Irish School of Ecumenics nach Dublin. 1990 wurde sie in Neu Isenburg als Pfarrerin ordiniert, wo sie bis 1999 in der Johannesgemeinde arbeitete. Dann wurde sie Friedenspfarrerin der EKHN. Von 2004 an war sie Dozentin für Führung und Leitung im Weiterbildungszentrum Burkhardthaus der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) in Gelnhausen. Scherle war von 1980 bis 1984 auch stellvertretende Vorsitzende der Aktion Sühnezeichen/Friedensdienste in Berlin, absolvierte von 1998 bis 2001 eine berufsbegleitende Ausbildung in Gemeindeberatung und Organisationsentwicklung. Sie war Gründungsmitglied im Rat der Religionen in Frankfurt, ist im Nachhaltigkeitsbeirat der Bethmann Bank sowie im Arbeitskreis Kirche und Israel und der AG Christen und Juden beim Evangelischen Kirchentag. Außerdem gehört sie dem Vorstand der Martin-Niemöller-Stiftung an. Scherle vertritt die EKHN in der Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland und ist Mitglied in deren Ausschuss für Diakonie, Mission und Ökumene. Sie steht außerdem dem Kleinen Konvent und Großen Konvent der Evangelischen Akademie Frankfurt vor. Gabriele Scherle ist verheiratet mit Dr. Peter Scherle, Professor am Theologischen Seminar in Herborn.

 

 

Diese Seite:Download PDFDrucken

to top