Pfarrerin Dr. Tina Bellmann
Es zieht wieder Leben in das Pfarrhaus ein
(c) dekanat / Daniel Lijovic
24.02.2025
cw
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Im aktuellen Gemeindebrief schreibt sie über die Region, die sie bislang noch nicht mal vom Hörensagen kannte: „Als ich vor Ort dann jedoch einmal den Blick aus dem Pfarrhaus über den Taunus schweifen ließ, als die Kirchenvorsteherinnen und Kirchenvorsteher mit Leidenschaft und klarem Blick für die Herausforderungen von ihren Gemeinden erzählten, als ich ihr Engagement für Kirche sah und nicht zuletzt als meine Kinder ausgelassen am Marbornteich in Steinfischbach Angeln spielten, war es um mich geschehen.“ Im Nachhinein versteht sie es sogar als „göttlichen Fingerzeig: „Hier sollst Du hingehen!“.
Die 38-jährige wurde in Altenburg in der ehemaligen DDR geboren und ist in einem „radikal antikirchlichen Umfeld“ aufgewachsen. Begegnung mit dem christlichen Glauben machte sie erst in den USA. Dort absolvierte sie unter anderem ein High-School-Jahr in North Little Rock, studierte an der Universität von Central Arkansas und verbrachte ein Forschungssemester in New York. „Die USA waren mal die große Liebe“, gibt sie zu.
Darüber hinaus studierte sie Theologie in Halle (Saale), München und Hamburg und promovierte in Göttingen. Anschließend ging sie für ihr Vikariat nach Heuchelheim. Ihre erste Pfarrstelle trat sie in Villingen/Nonnenroth mitten in der Corona-Pandemie an.
Jetzt freut sich die promovierte Theologin auf ihr neues Wirkungsfeld im Nachbarschaftsraum, der von Niederselters und Bad Camberg über Waldems bis in Idsteiner Ortsteile reicht. Die dörflichen Strukturen sind ihr durchaus bekannt. Beeindruckt ist sie davon, dass vieles, was ihre Vorgängerin gemeinsam mit den Ehrenamtlichen aufgebaut habe, durch die Vakanzzeit hindurch lebendig geblieben sei. Dr. Tina Bellmann macht deutlich, dass die Evangelische Kirche eine „Kirche von unten“ ist. Wichtig seien nicht nur die Pfarrer und Pfarrerinnen, sondern alle haupt- und vor allem ehrenamtlich Engagierten.
Dr. Tina Bellmanns Herz schlägt unter anderem für die Arbeit mit Kindern und Familien. Gerne unterrichtet sie an der Grundschule. Dort sei heutzutage „religiöse Alphabetisierung“ nötig. Man könne nicht mehr einfach davon ausgehen, dass Menschen die christlichen Werte kennen, stellt sie fest. Bei ihrer Arbeit an der Grundschule in Villingen/Nonnenroth schätzt sie daher den Kontakt mit den Menschen, die keine Berührung mit Kirche mehr haben. Hier seien viele Kontakte entstanden. In der Kinderkirche gehe „nichts ohne meine Puppe Freddy“, die auch schon in der Seniorenarbeit zum Einsatz gekommen sei. Für ihr neues Arbeitsgebiet hat sie sich gerade eine neue Handpuppe gekauft.
Tina Bellmann wurde bei ihrer Verabschiedung in Villingen/Nonnenroth als Pfarrerin mit „Power und Herz“ charakterisiert. Diese Energie spürt man ihr sofort ab. So verwundert es auch nicht, dass sie beispielsweise mit den Kindern für den Faschingsgottesdienst schon mal eine Konfettikanone gebastelt hat. „Die Arbeit muss Spaß machen, dann haben alle etwas davon“, ist sie überzeugt.
Sie mag größere Veranstaltungen wie Tauffest oder auch die Osternacht, die sie an ihrer bisherigen Wirkungsstätte neu installiert hat. „Die Kirche war immer voll!“, sagt sie begeistert. Ihr ist es wichtig, den Menschen die spirituellen Möglichkeiten von Kirche nahe zu bringen.
Erfahrungen bringt die Theologin aber auch in Organisations- und Personalberatung mit sowie, durch ihr Spezialvikariat an der JVA Butzbach, in der Gefängnisseelsorge. Die Seelsorge in der Ortsgemeinde habe sich aber in den letzten Jahrzehnten verändert, bemerkt Bellmann. Früher hätten die Menschen durchaus mal an der Tür des Pfarrhauses geklingelt, um jemanden zum Zuhören zu finden. Heutzutage passiere das seltener. Vielmehr fänden solche Gespräche, wo sich Menschen mit ihrer Verletzlichkeit zeigen und offen und ehrlich sprechen wollen, meist bei Trauergesprächen oder im Rahmen der Besuchsdienstarbeit statt.
Nach ihrer Ankunft in Steinfischbach und nach der Begleitung ihrer Kinder bei der Eingewöhnung in deren neues Umfeld, möchte die Pfarrerin Menschen und die Region kennenlernen, sehen, was die Schwerpunkte und Gaben von Kolleginnen und Kollegen sind und gerne Angebote für Kinder und Familien machen. „Ich liebe Sinn-volle Gottesdienste und wünsche uns Erlebnisse, bei denen wir in Kopf und Herz berührt werden, bei denen wir miteinander lachen und weinen können, um zu erleben, wie sich das anfühlt: christliche Gemeinschaft. Wie wir all das gemeinsam gestalten, wen wir dafür begeistern können und was Gott mit uns allen und seiner Kirche im Nachbarschaftsraum vorhat, darauf bin ich gespannt. Ich bin mir sicher, es wird ein Abenteuer!“
Pfarrerin Dr. Tina Bellmann wird am 9. März um 14 Uhr in der Evangelischen Kirche Steinfischbach von Dekan Klaus Schmid in einem Gottesdienst in ihr Amt im Nachbarschaftsraum eingeführt.
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