Dekanat Rheingau-Taunus

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farrerin Ingrid Schneider wird in den Ruhestand verabschiedet

„Das Mittendrin-Sein werde ich vermissen“

(c) DekanatPfarrerin Ingrid SchneiderPfarrerin Ingrid Schneider

Das alte Telefon aus der Bäckerei in Hahnstätten steht noch in ihrer neuen Wohnung. „Das war das erste Telefon im Ort, weil wir eine Bäckerei und einen Gastwirtschaft hatten“, sagt Pfarrerin Ingrid Schneider. Aus ihrem Pfarrhaus in Schlangenbad, in dem die Pfarrerin seit 2005 mit ihrem Mann wohnte, ist sie bereits ausgezogen. Am 9. Februar wird sie um 10 Uhr in der Evangelischen Christuskirche in Schlangenbad offiziell von Propst Oliver Albrecht in den Ruhestand verabschiedet.

Nach dem Abitur studierte Schneider zunächst vier Jahre lang Informatik an der TH Darmstadt. „Mathe und Physik waren meine Lieblingsfächer“, sagt sie schmunzelnd. Danach wechselte sie an die Universität Mainz, um dort Lehramt zu studieren. Die Fächer Mathematik, Religion und Sozialkunde. Eines Tages entschied sie sich dann aber dafür, ihre Prüfung in Griechisch abzulegen und Theologie zu studieren. „Meine Entscheidung fiel auf der Schiersteiner Brücke“, erinnerte sie sich. Bei der Theologie blieb sie dann. „Du bist mit der Entscheidung glücklich, Du kommst ganz anders die Treppe runter“, sagte ihre damalige Vermieterin danach zu ihr.

Ihr Vikariat absolvierte Ingrid Schneider an der Dankeskirche in Bad Nauheim. Kaum einer in ihrer Familie konnte sich vorstellen, wie sie in einer Kirche vor so vielen Menschen etwas sagen würde, geschweige denn einen Gottesdienst halten, „denn in meinen 13 Jahre Schule, habe ich mich vielleicht fünfmal gemeldet“, erklärt sie.

Die Familie sollte sich täuschen, der erste Gottesdienst war vorüber und „ab da ging’s.“ Ihr Spezialvikariat machte die heute 65-jährige im „Karl-Wagner-Haus“ einer Einrichtung für Obdachlose in Friedberg. „Das war eine tolle Zeit“, so die Theologin. Elf Jahre arbeitete sie dann im Westerwald, in Bad Marienberg, als erste Vollzeitpfarrerin in der Region. Und war zeitweise auch Mitglied im Leitungsorgan des dortigen Dekanats, dem Dekanatssynodalvorstand.

Nachdem ihr Mann schon in Wiesbaden arbeitete, entschloss sich das Ehepaar Anfang 2005 in die Kirchengemeinde Schlangenbad zu ziehen. „Mir hat die Mentalität dort sehr gefallen“, sagt sie. „Und dann sind wir geblieben“. Das Pfarrhaus war damals noch eine Baustelle. Überhaupt sollten „Baustellen“ ihre Amtszeit weiter prägen. Sei es die Renovierung der Christuskirche oder die Sanierung des Gemeindehauses in Georgenborn, nachdem ein erheblicher Wasserschaden es förmlich „unter Wasser“ gesetzt hatte. Kirchenvorsteher Christian Dörner nannte sie liebevoll „unsere Renovierungspfarrerin.“ Das passt zur Pfarrerin, die aus einer Handwerkerfamilie stammt. „Ich wollte immer wissen, wie die Sachen funktionieren. Sei es die Heizung im Gemeindehaus oder ein Krematorium, und so schaute sich in ihrer Vikariatszeit das Mainzer Krematorium genauer an.

„Schule ist für mich eine Insel“

Damals, wie heute, schaute sie stets was „dran“ ist und probiert dann unterschiedlichste Angebote aus. Schule, vor allem die Haupt- und Realschule, war für sie eine Insel. In Bad Marienberg unterrichtete sie elf Jahre lang an einer Hauptschule, „dadurch habe ich mir sicherlich einen anderen Ton angeeignet, als in einer Grundschule oder im Gymnasium.“ Deshalb tauschte sie immer wieder mit Kollegen die Klassen und unterrichtete für den Rest ihres Berufslebens mit Begeisterung an der Nikolaus-August-Otto Schule in Bad Schwalbach im Haupt- und Realschulzweig.

Ein weiteres Highlight ihres Berufslebens war ihre Zeit als Lichtkirchenpfarrerin bei der Landesgartenschau in Bad Schwalbach 2018.

Vermissen wird sie die vielen Gespräche mit unterschiedlichsten Menschen. Gerne ging sie in den Orten spazieren und nicht selten sprach sie jemand dabei an: „Ach, wo ich sie gerade treffe.“ „Das Mittendrin-Sein werde ich vermissen“, betont sie. „Ich brauche die Begegnung mit Menschen der unterschiedlichsten Altersklasse“, resümiert sie nachdenklich.

Auch wenn sie keine „Eventpfarrerin“ sein möchte, die Waldweihnacht, die seit fast 40 Jahren in Schlangenbad mit rund 400 bis 500 Menschen stattfindet, war stets „ein tolles Ereignis“. Hier war es ihr wichtig, dass ihr Mann die Predigt vorher las, um sicherzustellen, „dass ich nicht zu fromm predige, um niemanden zu vertreiben und dennoch fromm genug zu sein“, sagt sie lächelnd. „Mich kriegt man nicht ohne Gott“, ergänzt sie.

„Alle Menschen sind vor Gott gleich“

Ingrid Schneider blieb sich immer treu, Freiheit und Gerechtigkeit waren ihr wichtig. „Diese Freiheit begründet sich von Jesus Christus“, sagt sie. „Alle Menschen sind im Gottesdienst und im Alltag vor Gott gleich“. Obrigkeitsdenken ist ihr deshalb fremd. „Ich bin ein Bauchmensch“, erklärt sie. „Ich reagiere spontan und erst später weiß ich den Grund, warum ich so reagiert habe.“ Schneider war eine, die Konfrontationen nicht aus dem Wege ging und gleichzeitig überall mit anpackte: Gemeinderief, Homepage und viele andere Dinge nahm sie in die Hand.

Sie förderte die Schlangenbader Abendmusik, die Hans-Uwe Hielscher seit 1980 (!) in der Christuskirche monatlich organisiert. Andreas Lapp, Schüler von Hielscher, ist seit 2016 Organist in der Christuskirche und wird auch zum Abschied an der Orgel sitzen. „Ein begnadeter Organist“, so Schneider ehrfürchtig.

Ab dem 1. März ist sie dann offiziell im Ruhestand. „Dann will ich erst einmal runterkommen“, erklärt sie. Helfen können ihr dabei Lesen und das Stricken, das sie liebt.

Dem Abschiedsgottesdienst am 9. Februar selbst schaut sie etwas kritisch entgegen. Sie sei kein Mensch der im Rampenlicht stehen wolle und das gelte erst recht für ihren Abschiedsgottesdienst. „Ich verabschiede mich an der Kirchentür und möchte im Gottesdienst das Schlusswort haben“, sagt sie entschlossen.

Pfarrerin Ingrid Schneider wird am Sonntag, den 9. Februar um 10 Uhr in der Evangelischen Christuskirche in Schlangenbad von Propst Oliver Albrecht und Dekan Klaus Schmid in den Ruhestand verabschiedet.

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