Dekanat Rheingau-Taunus

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Nach 18 Monaten

Ordination 2.0

(c) DekanatPfarrerin Jessica HammPfarrerin Jessica Hamm

„Die Schnittchen waren quasi schon geschmiert“, blickt die evangelische Pfarrerin Jessica Hamm auf den März vergangenen Jahres zurück. Nachdem sie im Januar 2020 ihre erste Pfarrstelle in den Evangelischen Kirchengemeinden Breithardt, Burg-Hohenstein und Steckenroth angetreten hatte, sollte sie Mitte März 2020 ihre Ordination feiern. Am kommenden Samstag (25. September), gut 18 Monate später, ist es endlich soweit.

Im Nachhinein betrachtet sei es natürlich richtig gewesen, die Berufung in den Pfarrdienst damals nicht mit 100 Gästen in der Evangelischen Kirche in Breithardt zu feiern. Schnell habe sich abgezeichnet, dass auch der zunächst angedachte Ersatztermin im Mai 2020 nicht zustande kommen konnte, so dass nun für den kommenden Samstag zur Ordination 2.0 auf Burg Hohenstein eingeladen worden ist. „Es tut mir in der Seele weh, dass ich nicht offen dazu einladen kann“, bedauert Hamm. Immerhin können 150 Gäste in dem besonderen Rahmen der Burg an ihrer Ordination durch Propst Oliver Albrecht teilnehmen.

Berg- und Talfahrt in den ersten 20 Monaten

Wenn es nun so weit ist, wird sie dem Ende ihrer Probezeit im Pfarrdienstverhältnis schon etwas näher sein, als dem Beginn. Es mache also nicht wirklich Sinn, einen Anfangsritus zu feiern. „Ich denke, wir feiern was passiert ist und was noch kommt“, verdeutlicht Hamm. Zwar habe es ihr ein bisschen gefehlt, dem Anfang einen Segen geben zu können. Andererseits werde sie danach wohl keine andere Pfarrerin sein als jetzt. „Ich glaube, es gab keine Situation, in der ich gedacht habe, es hätte mir geholfen, ordiniert zu sein“, blickt Hamm auf die ersten 21 Monate zurück. Diese seien eine Berg- und Talfahrt gewesen, bei der sie bereits viele schöne Momente in Verbindung mit tollen Menschen habe erleben dürfen. Den ursprünglichen Ratschlag, erst mal zu beobachten, welche Traditionen und Bedürfnisse es in den einzelnen Gemeinden gibt, um dann eigene Akzente zu setzen, habe sie durch die Pandemie nicht umsetzen können. Bis auf die Durchführung von Trauergesprächen habe es schließlich zunächst kaum Anknüpfungspunkte gegeben.

Viele Ideen – Gottesdienst für „queere“ Menschen geplant

An Ideen für eigene Akzente mangele es ihr aber ohnehin nicht. So werde sie etwa am Buß- und Bettag in Burg Hohenstein gemeinsam mit Kirchenvorsteher Lauritz Rößler einen Gottesdienst feiern, der sich an queere Menschen richtet und an diejenigen, die sich für Themen wie Trans- und Homosexualität interessieren. „Was genau passiert, weiß ich noch nicht. Es geht mir darum, Räume zu schaffen“, erläutert Hamm. Diese schafft sie auch im Internet, wo oft Menschen zu ihr gelangten, die in den Kirchengemeinden keinen Platz fänden. Der 32-jährigen sei es wichtig zu verkündigen, dass Gott nicht so sei, wie lange tradiert worden ist. „Gott ist großartig. Er liebt Dich und nimmt Dich so an, wie Du bist“, verdeutlicht Hamm. Das schließe Trans- oder Homosexuelle nicht aus. Die Verkündigung der Botschaft, dass es diesen Gott gibt, sei ihr Herzens-Thema. Ob in der Seelsorge oder im Konfirmations-Unterricht, in dem die Jugendlichen mit all ihren Zweifeln sein dürften. „Wenn am Ende meiner Laufbahn nur eine Handvoll Menschen diese Botschaft spüren, habe ich einen guten Dienst getan“, ist sich Hamm sicher. Letztlich sei sie wegen der Verkündigung tatsächlich Pfarrerin geworden. Weil ihr das Studium so viel Freude bereitet hat, dass sie 17 Semester in Marburg studiert hat, wäre sie nämlich um ein Haar selbst in der Lehre gelandet.

Da trifft es sich gut, dass es im Predigttext für das kommende Wochenende heißt, dass der Glaube aus der Predigt stammt. In ihrer Ordinationspredigt wird Hamm sich also ihrem Herzens-Thema widmen können. Verschriftlicht hat sie ihre Gedanken dazu noch nicht. Schließlich lasse sie das jeweilige Thema stets im Alltag auf sich wirken und stehe sonntags morgens regelmäßig um sechs Uhr früh auf, um ihre Predigt noch einmal zu bearbeiten. So kurzfristig ihre Ordination im vergangenen Jahr abgesagt worden ist, eine Predigt hatte sie zu diesem Zeitpunkt noch nicht geschrieben. Auch wenn es sich am Samstag um die Einladung zur Ordination 2.0 handelt, wird sie daher dennoch ihre erste Ordinationspredigt halten.

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