Dekanat Rheingau-Taunus

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30 Jahre Notfallseelsorge

In größter Schwäche wird niemand allein gelassen

Vor 30 Jahren wurde in der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) der erste Verein für Notfallseelsorge gegründet. Die Gruppe in Wiesbaden zählte auch bundesweit zu den ersten Initiativen ihrer Art. Die beiden Gründungsmitglieder, Pfarrer Andreas Mann und Detlef Nierenz, leisteten damals echte Pionierarbeit. Inzwischen sind rund zwei Dutzend weitere Gruppen mit rund 600 ehrenamtlichen Notfallseelsorgerinnen und -seelsorgern entstanden.

Thorsten LüttringhausEinsatzkräfte bei Verkehrsunfall in Mainz-Bingen. Die Notfallseelsorgerinnen und -seelsorger sind ein wichtige Bestandteil der Rettungskette. Sie arbeiten Hand in Hand mit Polizei und Rettungsdiensten zusammen.Einsatzkräfte bei Verkehrsunfall in Mainz-Bingen. Die Notfallseelsorgerinnen und -seelsorger sind ein wichtige Bestandteil der Rettungskette. Sie arbeiten Hand in Hand mit Polizei und Rettungsdiensten zusammen.

Bei den Einsätzen der Notfallseelsorgerinnen und -seelsorger geht es fast immer um Tod. Er taucht plötzlich auf, oft im häuslichen Bereich, bei Suiziden, wenn ein Säugling stirbt, bei Wohnhausbränden, Gewaltverbrechen oder Unfällen. Für Betroffene ist das eine Katastrophe. Das Leben bekommt plötzlich eine andere Bedeutung, alles scheint zusammenzubrechen, kein Ausweg in Sicht. Die Notfallseelsorgerinnen und -seelsorger unterstützen die Betroffenen und durchleiden mit ihnen die ersten Stunden. Auf dem Gebiet der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau und der benachbarten Kirchen haben sich im Laufe der vergangenen drei Jahrzehnte flächendeckend Menschen gefunden, die als Pfarrerin und Pfarrer der EKHN oder als ehrenamtliche Kräfte rund um die Uhr bereit sind, anderen Menschen in schwierigen Situationen Hilfe und Beistand zu geben.

Volker Jung, Kirchenpräsident der EKHN, hat eine enge Bindung zur Notfallseelsorge. 1998 begleitete er als damaliger Dekan im Vogelsberg eine Familie, die ihre 19-jährige Tochter bei einem Unglück verloren hatte. „Ich habe gespürt, wie sehr sich die Betroffenen wünschen, dass in solchen Momenten jemand für sie da ist“, so der Kirchenpräsident. Er baute damals mit anderen Pfarrerinnen und Pfarrer des Dekanats neue Strukturen auf, um sicherzustellen, dass Menschen in Not seelsorglichen Beistand bekommen. „Mit Blick auf die Bibelzeile aus dem Zweiten Korintherbrief ,Lass dir an meiner Gnade genügen; denn meine Kraft vollendet sich in der Schwachheit´ geben wir Menschen das Versprechen, sie in größter Schwäche nicht allein zu lassen. Die Notfallseelsorge teilt Verzweiflung und zeigt nicht nur, aber auch schon allein durch die Präsenz, dass wir gemeinsam nicht von Gott verlassen sind“, sagt Volker Jung.

Auch hier in der Region haben sich Einheiten der Notfallseelsorge etabliert, die Menschen in Krisensituationen helfen. Dazu gehören der Verein Notfallseelsorge Rheingau-Taunus und der Verein Seelsorge in Notfällen in Wiesbaden.

Vergleichsweise jung ist die Notfallseelsorge als fester Bestandteil der Rettungskette im Rheingau-Taunus-Kreis. Das System lief erst 2004 an, drei Jahre später konnte die Einsatznachbesprechung für Feuerwehren und Rettungsdienste angeboten werden. Doch schon bald gab es einen personellen Engpass. Da die Pfarrstelle trotz mehrfacher Ausschreibungen nicht besetzt werden konnte, übernahm Dekanin Heinke Geiter 2011 die Leitung der Gruppe. Als sie in den Ruhestand ging, war die Stelle fünf Jahre vakant. 2018 gründete sich mit Unterstützung der Wiesbadener Gruppe „Seelsorge in Notfällen“ der Verein „Notfallseelsorge Rheingau-Taunus“, der in enger Verbindung zum Dekanat und zur Landeskirche auch die Trägerschaft übernahm. Heinke Geiter übernahm als Pfarrerin im Ruhestand den Vorsitz. Aktuell ist Silvia Koss Vorsitzende des Vereins und bildet seit 2015 zusammen Julia Behrens die Mitarbeitenden im System aus.

Der Wiesbadener Pfarrer Andreas Mann machte Anfang der 1990er Jahre bei seinen Einsätzen als ehrenamtlicher Rettungssanitäter der Johanniter immer wieder die Erfahrung, dass betroffene Menschen sich mitten in ihrem emotionalen Chaos und dem Leid eine längere Begleitung wünschen. Es entstand die Idee einer Adresskartei für Notfallkontakte, um schneller Pfarrpersonen anrufen zu können. Da es bei diesem Konzept jedoch Probleme mit der Erreichbarkeit und Zuständigkeit gab, entwickelten Andreas Mann, Pfarrer Detlef Nierenz sowie Eberhard Busch, der aktuelle Präses des Dekanatssynodalvorstands im Dekanat Wiesbaden, ein effizienteres System und gründeten 1993 den Verein „Seelsorge in Notfällen e. V.“ Schon im November 1994 gab es den ersten außergewöhnlichen Einsatz. Nach einem Hotelbrand brachte Andreas Mann 20 Betroffene, die auf der Straße standen, im Gemeindehaus in Wiesbaden-Dotzheim unter. Die älteste Gruppe der Notfallseelsorge in der EKHN hat sich nach Ansicht der Gründungsmitglieder hervorragend entwickelt. „Notfallseelsorge ist in der Gesellschaft angekommen wird gefordert“, sagt Pfarrer Andreas Mann.

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