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Förderprogramm Landesdenkmalpflege

Historische Orgel wird saniert

(c) DekanatDie Orgel in Rückershausen fehltDie Orgel in Rückershausen fehlt

Da wo die Orgel sonst steht, klafft ein großes Loch auf der Empore der kleinen Rückershäuser Kirche. Übergangsweise hat Pfarrer Dr. Heiko Wulfert ein E-Piano hingestellt. „Unsere Orgel ist derzeit beim Orgelbauer in Lich“, erklärt Wulfert.

Die im Kern dem 14. Jahrhundert entstammende Evangelische Kirche in Rückershausen ist ein kleiner, aus Bruchsteinen gemauerter Saalbau, gekrönt von einem Dachreiter mit Spitzhelm. Im Innern bestimmt eine schlichte barocke Ausstattung mit einer Kanzel aus der Mitte des 18. Jahrhunderts den Raum.

Ebenfalls Bestandteil der barocken Ausstattung ist die 1754 erbaute Orgel. Zusammen mit dem Orgelsachverständigen und Konservator der Landesdenkmalpflege Dr. Bernhard Buchstab, hat Wulfert Alt-Akten bis ins Jahr 1768 gesichtet, um zu erfahren, wie die Orgel einst mal ausgesehen haben muss. „Schimmel auf den Holzteilen, erodierte Pfeifen, eingebaute Plastikwinkel sowie weitere gravierende Mängel sind zu verzeichnen. „Bei der genauen Inspektion wurde die Sanierung quasi alle 15 Minuten um 30.000 € teurer“, sagte Heiko Wulfert mit einer Prise Galgenhumor.

Orgeln sind Klangdenkmäler

„Orgeln sind in dreifacher Hinsicht Zeugnisse unseres historischen Erbes" erläutert Prof. Dr. Markus Harzenetter, Präsident des Landesamtes für Denkmalpflege Hessen. „Sie gehören zum einen untrennbar zur Ausstattung unserer Kirchen, sind also bedeutende Kunstdenkmäler, die mit ihrem kunstvollen Gehäuse in engem Zusammenhang mit der Architektur einer Kirche zu sehen sind. Zum anderen sind sie aufwändige technische Denkmäler.“ Orgeln seien komplexe technische Meisterwerke von hohem kunsthandwerklichem Können, deren materieller Erhalt heute im Fokus der denkmalpflegerischen Bemühungen stehe. Vor allem aber seien sie Klangdenkmäler mit einer individuellen Klanggestalt, die Teil der immateriellen Denkmaleigenschaft der Orgel sei. „Orgelmusik füllt und belebt unsere historischen Kirchenräume auf faszinierende und einmalige Weise."

Kosten von 160.000 €

Das Instrument in Rückershausen wurde von dem bekannten Frankfurter Orgelbauer Johann Christian Köhler gebaut und besaß ursprünglich neun Register auf einem Manual und Pedal. Von der Werkstatt Köhler existieren heute kaum noch Instrumente, zuletzt wurde vor einigen Jahren die Restaurierung der Köhler-Orgel in Oberweimar bei Marburg.

Die Orgel in Rückershausen wurde 1972 aus heutiger Sicht unsachgemäß überarbeitet, so dass nur noch ein reduzierter Bestand des ursprünglichen Köhler-Werks vorhanden ist. Die vorgesehenen umfangreichen Arbeiten bedeuten für die kleine Kirchengemeinde eine hohe finanzielle Belastung. Allein die denkmalrelevanten Bereiche der Maßnahme belaufen sich auf ca. 100.000,- €. Insgesamt rechnet die Kirchengemeinde mit Kosten in Höhe von 160.000 € Euro, erklärt Heike Wulfert.

„Anfang der 70er Jahre wurde an der Orgel Raubbau betrieben“, bringt es Buchstab auf den Punkt. Deshalb seien die Kosten für einen „Rückbau“ auch so hoch.

Die Orgel soll nun aufwändig restauriert und die verlorenen Bestandteile, insbesondere in Traktur, Pfeifenwerk und Windanlage, rekonstruiert werden.

Im Rahmen ihres gemeinsamen Orgelförderprogramms bereisten Matthias Haupt, Geschäftsführer der Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen, Markus Harzenetter und Bernhard Buchstab, die Kirchengemeinde und überreichten einen Förderscheck in Höhe von 10.000 €. Weitere 80.000 € kommen aus Bundesmitteln hinzu, die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) steuert 16.000 € bei. Den Rest muss die Kirchengemeinden aus Eigenmitteln stemmen. „Aber wir haben hier eine sehr spendenfreudige Gemeinde“, sagt Pfarrer Wulfert zuversichtlich.

Vertreter der Kirchengemeinde, aber auch der Landeskirche zeigten sich sehr dankbar für die großzügige Unterstützung durch die Landesdenkmalpflege, sowie über die Förderung des Bundes. „Wir hoffen, dass an Weihnachten die Orgel wieder in der Kirche erklingen wird“, erklärt Pfarrer Wulfert, der dann hofft wieder selbst am renovierten Spieltisch der Orgel, anstelle des E-Pianos sitzen zu dürfen.

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