Dekanat Rheingau-Taunus

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Auf der Suche danach, wie Christen dem König der Armen begegnen können

Brot für die Welt im Advent – warum?

Brot für die Welt: Jörg Böthling/Hermann BredehorstHier köchelt Maisbrei. Er hilft gegen den Hunger. Im äußersten Westen Äthiopiens unterstützt Brot für die Welt Familien dabei, Mais, Bohnen und Kürbisse anzubauen.

Brot für die WeltCornelia Füllkrug-Weitzel ist Präsidentin des evangelischen Hilfswerks Brot für die Welt.

Ein König, der arm ist? Das passt nicht zusammen. Von Amts wegen sitzen Könige auf einem hohen Ross. Sie sind mächtig, können sich vom Volk nehmen, was sie wollen, und es wird ihnen gedient. Diese üblichen Vorstellungen werden mächtig gegen den Strich gebürstet in der Botschaft des Propheten Sacharja: »Siehe, dein König kommt zu dir, ein Gerechter und ein Helfer, arm und reitet auf einem Esel.« Das ist nicht nur für unser Empfinden eine sehr erstaunliche Figur. Schon die Zeitgenossen Sacharjas haben verstanden: Hier geht es um einen neuen König nach Gottes Willen, der völlig aus der Rolle fällt. Er bringt nicht nur unsere herkömmlichen Vorstellungen durcheinander: Ein König, der sich nicht auf Kosten der Armen bereichert, dessen Machtentfaltung keine Opfer von ihnen verlangt. Er tut noch mehr: Er tauscht die Rollen. Seine Privilegien gibt er auf, reiht sich freiwillig ein in das Heer der Armen. Unter ihnen beginnen der neue Himmel und die neue Erde Gestalt anzunehmen. So zündet der Advent das Licht der Hoffnung für die Elenden an. Wie können wir einen solchen König empfangen, der uns als Armer und Gerechter begegnet?

Mit Brot für die Welt! Die evangelischen Landes- und Freikirchen in Ost und West riefen 1959 die Sammelaktion in Berlin gemeinsam aus der Taufe, um eine Antwort auf diese Frage zu geben. Der Wiederaufbau nach dem Krieg war zu dieser Zeit weit fortgeschritten, im Westen begann der Konsumrausch. Die Kirchen sahen mit Sorge, wie die Gesellschaft sich mehr und mehr zum Tanz um das Goldene Kalb formierte statt um die Krippe. Dabei war ihnen bewusst, wie wenig selbstverständlich die rasche Erholung des Westens Deutschlands war – ein Ergebnis internationaler Hilfe, von Marshallplan und Londoner Schuldenabkommen. Günstige Rahmenbedingungen wie kein anderes kriegszerstörtes Land sie je hatte.

Gleichzeitig erreichte die Dekolonisation in diesen Jahren ihren Höhepunkt. Erschütternde Nachrichten über das Ausmaß der Armut im Süden rüttelten die Öffentlichkeit auf. Schon die Ungleichzeitigkeit des Wiederaufbaus in Ost und West warf Fragen nach der ungleichen Verteilung von Gütern auf, nach Gerechtigkeit. Erst recht galt dies nun für die neu ins Bewusstsein tretende Nord-Süd-Kluft. Welche Aufgabe hatten Deutsche und hatten Christen in dieser Lage, und welche konnten und wollten sie wahrnehmen?

Durch Fürbitte und Dankopfer rief man die Gemeinden in die Gemeinschaft der Solidarität mit den Hungernden und in die Mitverantwortung für die Nöte der Welt. Die Kirchen wollten in dieser Situation von Nehmenden zu Gebenden werden, von Beschenkten zu Schenkenden. Es passt in die Adventszeit, Gottes Weg in die Armut ein Stück weit mitzugehen durch eigene Gaben, durch konkretes Teilen. Der Erfolg zeigt, dass es angekommen ist. Was zunächst als einmalige Aktion geplant war, stieß auf große Resonanz. Brot für die Welt blieb, ruft dieses Jahr zum 60. Mal zu Spenden und Kollekten auf. Natürlich im Advent. Auch in diesem Jahr sollen Menschen auf der Schattenseite der Globalisierung etwas davon spüren, dass sie nicht vergessen sind. Sie sollen Zeichen von Gerechtigkeit sehen können. Wie sonst sollen wir ihn empfangen, den armen König an der Seite der Armen?

Von Cornelia Füllkrug-Weitzel

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