„Wir sind ganz beseelt“, sagen Maike und Sebastian nach ihrer Segnung im nur von Kerzen erleuchteten Hospitalkeller. Ihre zehn Monate alte Tochter Gritt ist mit der Eingangsmusik wach geworden und strahlt jetzt fröhlich mit. Zehn Minuten Gespräch zum Kennenlernen, zehn Minuten Zeit für die 15 Pfarrerinnen und Pfarrer, um ihre kurze Ansprache zu schreiben. Dann gehen sie zusammen zu einem der Segensorte. Vom Abtsgarten aus hat man den besten Ausblick über das Kloster. Jede Segnung oder Trauung dauert 15 Minuten.
„Toll, dass ihr dieses Format anbietet“, sagt die 49-jährige Katrin. „Ich bin aus der Kirche ausgetreten, mein Mann ist katholisch“, damit war eine kirchliche Trauung kaum möglich. „Wir wollen aber unsere Liebe, Ehe und unsere Beziehung feiern und den Weg unter Gottes Segen stellen“, begründen beide ihre Entscheidung nach Kloster Eberbach zu kommen. Genau drei Jahre nach ihrer standesamtlichen Trauung, die sie eigentlich gerne in Kloster Eberbach gefeiert hätten, freuen sie sich so über den kirchlichen Segen. Etliche Paare kommen zu zweit. Ohne Freunde und Familie. „Wir wollen inkognito bleiben“, sagen Hiltrud und Herbert (Namen von der Red. geändert). Sie genießen ihren Moment ganz für sich im Hospitalkeller und lassen sich gerührt den Segen zusprechen. „Erst mal für die nächsten 25 Jahren“, sagen die beiden, die schon viele Jahre verheiratet sind.
Auch Edith und Peter blicken auf viele Jahre Lebenserfahrung zurück. Sie war schon einmal verheiratet, Peter noch nie. Sie haben sich spät kennen- und lieben gelernt, wohnen weiterhin in ihren Wohnungen und sind sehr glücklich miteinander. „Ich habe es Peter erst vorgestern erzählt“, sagt sich lachend. „In Bingen, Punkt zwölf Uhr, als sowohl die Glocken der evangelischen, als auch der katholischen Kirche geläutet haben“, ergänzt Peter fröhlich. „Diesen Tag werden wir immer wieder aufleben lassen und Kraft daraus schöpfen!“
Die Paare, die sich schon vor Wochen zu diesem Tag angemeldet haben, könnten unterschiedlicher nicht sein. Manche haben sichtbare Brüche in ihren Lebenswegen, viele sind jung, viele mit Kindern. Manche kommen mit einer großen „Segensgesellschaft“, wie Julius Wagner und sein Partner Christoph Langfort, die seit 2014 verpartnert sind. „Kloster Eberbach wurde als Ort der Liebe gebaut; vor fast 900 Jahren – der Liebe zu Gott und der Freundschaft der Mönche zu den Mitbrüdern“, so Julius Wagner. „Und Liebe war es, die bei ‚Einfach heiraten!‘ diesen Ort erfüllte und überall zu sehen war. Wir sind der Evangelischen Kirche, den Pfarrerinnen und Pfarrern, den Teams aus den Gemeindebüros und den vielen Helferinnen und Helfern überaus dankbar, dass sie diese besonderen Momente nicht nur dem Kloster, sondern auch den 70 Paaren geschenkt haben, die unkompliziert ‚Ja‘ zueinander gesagt und Gottes Segen erhalten haben. Ich wünsche mir sehr, dass wir das gemeinsam wieder machen.“
Allen gemein ist, dass sie sich bewusst für ihre Beziehungen und den weiteren gemeinsamen Lebensweg segnen lassen wollen. „Ich stelle mir den Segen wie die wohlwollende Hand Gottes vor“, sagt Maike, bevor sie mit Sebastian ganz spontan einen Segensspruch aus dem Bonbonglas ziehen. Nächstes Jahr wollen sie dann heiraten. „Nicht nur die Paare sind beseelt“, sagt Pröpstin Henriette Crüwell, die zum Team der Segnenden gehört. „Auch jede Kollegin und jeder Kollege ist beseelt. Dafür habe ich Theologie studiert“, betont sich fröhlich. Kloster Eberbach wird an diesem Tag zu einem Segensort für viele. Viele Tränen fließen, viele rührende Momente sind zu spüren. Viele Touristen schauen interessiert zu, fragen nach und sind begeistert von der Aktion. Manche der Paare überlegen, ob sie sich spontan segnen lassen wollen, was das Team hier und da sogar möglich macht.